ORT DER LIST und der Baukultur

22. List

Donnerstag, 25. August 2016, 17 Uhr

Fragestellung: Marc Rittmeyer und Hans Sprecher stellen den Verein Appenzellerhaus heute vor

Schlagworte: Appenzellerhaus heute, Hülle und Füllung, Kombination von Tradition und Innovation, Subjektivität von Beurteilungen

Marc Rittmeyer und Hans Sprecher stellen uns den 2013 durch sie gegründeten Verein Appenzellerhaus heute vor. Die drei Mitglieder des Vereins prämieren jährlich zwei Neubauten, die ihrer Meinung nach entsprechend der Appenzellischen Bautradition gestaltet wurden. Dabei verzichten sie explizit darauf Berufsexperten, wie Architekten oder Bauunternehmer zu konsultieren. Die drei Gründer und Jury-Mitglieder beschäftigten sich alle schon seit vielen Jahren mit der appenzellischen Bautradition und basieren ihr Urteil auf ihrem eigenen subjektiven Empfinden. Entsprechend werden die beiden Preisträger aus dem letzten Jahr von den List-Besuchern diskutiert. Im Zentrum steht dabei die Frage ob es Sinn macht neue Häuser, die im Vergleich zu den «originalen» Appenzellerhäusern auch neu beziehungsweise anders genutzt werden, also entsprechend den heutigen Bedürfnissen, in einer alten Schale zu verpacken. Ist es sinnvoll die sichtbare Oberfläche so zu gestalten, dass sie der traditionsreichen Baukultur entspricht, wenn das Gesamtpaket eigentlich ein ganz anderes ist? Die Häuser dürfen und sollen an die Appenzellische Bautradition anlehnen, gleichzeitig scheint es aber auch wichtig die neuen Bedürfnisse und auch neue zur Verfügung stehende Techniken und Materialien zu integrieren. Zwei praktische Probleme, die an dieser Stelle beispielhaft aufgeführt wurden, waren einerseits die Garage im Haus und andererseits grosse Badezimmer, beides Elemente, die im traditionellen Appenzellerhaus fehlen, heute aber von einer Mehrheit der Bewohner gewünscht werden. Es scheint weiterhin schwer zu sein, Elemente eines Appenzellerhauses zu benennen, die auch in den Versionen von heute enthalten sein müssen.

Eine wichtige Erkenntnis, die sich aus der 22. List ergibt, bezieht sich auf ein gesteigertes Bewusstsein für die Präsenz der Thematik bei Personen, die sich nicht von Berufswegen mit Appenzellerhäusern auseinandersetzten. Es ergeben sich Diskussionen über Geschmäcker und Gutdünken, also eigentlich genau das, was in vorhergehenden Veranstaltungen als wünschbar und förderungswürdig bezeichnet wurde. Wir sollten uns bemühen solche Meinungen zu erfassen und gemeinsam zu diskutieren und so auch andere Leute dafür zu begeistern und Platz für deren Ideen zu schaffen. Vielleicht kann der Ort der List ein Gefäss dafür sein. Wir freuen uns auf die nächste List und hoffen mit derselben Offenheit und Subjektivität weiter diskutieren zu können.