ORT DER LIST und der Baukultur

19. List

Donnerstag, 31. März 2016, 17 Uhr

Fragestellung: Hans-Ruedi Beck als Gast, Vorstellung und Diskussion zu seiner Studie zum Thema «Weiterbauen im Appenzellerland»

Schlagworte: Um- und Anbauten, Appenzeller Häuser, Handlungsempfehlungen, Nachhaltigkeit der Baukultur

Hans-Ruedi Beck stellt seine Studienarbeit zum Thema «Weiterbauen im Appenzellerland» vor. Im Zuge von «Entdeckungs- und Beobachtungsspaziergängen» in verschiedenen Appenzeller Gemeinden hat er sich mit Fragen zu Um- und Anbauten an Appenzeller Häusern beschäftigt. Wie können diese Häuser so weitergebaut werden, dass sie sich in die Landschaft integrieren, während sie die Bedürfnisse ihrer Bewohner erfüllen und gleichzeitig authentisch sind. Er versucht Kriterien zu definieren, die darüber entscheiden ob ein Anbau oder Umbau passend ist. Dass diese Beurteilung stark von subjektiven ästhetischen Massstäben geprägt ist, zeigt sich in der anschliessenden Diskussion. H.R Beck konzentriert sich in seiner Studie nicht ausschliesslich auf Ortskerne, sondern betrachtet gesamte Bauzonen von Dörfern. Er entwickelt verschiedene Handlungsempfehlungen, welche die zum Teil als bedenklich bewerteten baulichen Entwicklungen von Appenzeller Häusern auffangen und ins Positive umkehren sollen. Seine Empfehlungen werden dann während der LIST intensiv diskutiert und weiterentwickelt. Was klar wird, worüber auch Einstimmigkeit herrscht ist, dass die Appenzeller Hausbesitzer für die Thematik sensibilisiert werden sollten und kostenlose Beratungsangebote zur Verfügung stehen sollten. Als Herausforderungen werden aber nicht nur die Geschmäcker der Bauherren sondern auch die ambivalente Rolle der Bauämter, die Nachfrage nach immer günstigeren Um- und Anbauten und schliesslich die grundsätzliche Frage «wie lassen sich Altes und Neues am besten zusammenfügen?» identifiziert. Nichts desto trotz ist man sich einig, dass bereits eine minime Auseinandersetzung mit der Appenzellischen Baukultur seitens der Hausbesitzer zu viel besseren Weiterbauten führen würde. Bloss in welcher Form will man diese sensibilisieren, aufmerksam machen und beraten?

Eine Option ist ein Leitfaden, wobei dieser zum Beispiel auch gemeinsam mit lokalen Handwerkern entwickelt werden könnte, sind diese doch Umsetzer und in diesem Sinne auch Vermittler von Baukultur. Den Handwerkern soll auch die zentrale Rolle bewusst gemacht werden, die sie in dieser Angelegenheit einnehmen. Angesprochen wird auch die Gründung eines Kompetenzzentrums für Holzbau, wo sowohl Handwerker als auch Architekten und die Öffentlichkeit angesprochen werden und einen Austausch pflegen könnten. Eine Idee, die allgemein auf positive Reaktionen stösst, ist die Einrichtung eines Themen-Buses, der den Besuchern von Messen, Dorffesten und so weiter «Best-Practice»-Beispiele für gutes Weiterbauen im Appenzellerland zeigt. In die gleiche Richtung geht die Durchführung von einem «Tag der offenen Tür» bei besonders gelungenen Weiterbauten. Solche Anlässe liessen sich beispielsweise gut in öffentliche Wahrnehmungsspaziergänge durch Dörfer, in der Art wie sie H.R. Beck zwecks Studie gemacht hat, oder in einen «Tag des Appenzeller Hauses» integrieren. Auch ein Label oder eine Auszeichnung «Appenzeller Haus heute» wäre eine interessante Massnahme. Schliesslich wurde auch die Anpassung des Landschaftsbegriffs und im Zuge dessen die Schaffung einer Kulturlandschaft diskutiert, welche die verschiedenen jetzt bestehenden Zonen ersetzten könnte und so den Bauvorschriften Dschungel lichten und die teilweise sinnfreien Abgrenzungen aufheben würde.

Es wird beschlossen, die beschriebenen Ideen weiter zu denken und zu entwickeln und insbesondere die Studie von H.R. Beck so aufzubereiten, dass sie verbreitet und als erster Anstoss zur Sensibilisierung genutzt werden kann.