ORT DER LIST und der Baukultur

17. List

Donnerstag 27. August 2015, 17 Uhr

Fragestellung: Betrachtung des MGP Projektes in der Alten Drogerie in Trogen
Schlagworte:
Mehrgenerationenhaus, Mingergiestandards, Gemeinschaftsräume, klein Projekte (Ökofelcken)

Bernhard Müller, Lucie Sauter, Rahel Lämmler, Werner Frischknecht, Ueli Frischknecht, Vreni Härdi, Fredi Altherr, Ueli Vogt, Kristina Hofstetter

Die letzte List endete mit der Vision, dass in ein paar Jahrzehnten die im Appenzellerland angelegte Tradition des Mehrgenerationenhauses wieder gang und gäbe ist. Ein Projekt, das diese Vision bereits Realität werden lässt und dazu beitragen möchte, dass den künftigen demographischen Herausforderungen besser begegnet werden kann, ist die Alte Drogerie in Trogen. Dieses Gebäude wird vom Verein MPG (www.mgp-ost.ch) nach Minergiestandard so umgebaut, dass sechs verschiedene Wohnungen Platz für alle Generationen bieten sollen. Ziel ist eine konstante Durchmischung (Familien, Singles, Jung & Alt), damit die Hausgemeinschaft langfristig nicht auseinanderbricht. Im Erdgeschoss sind zudem Gemeinschaftsräume / Coworking-Spaces (auch zur externen Nutzung), Wäschetrocknungsräume, die gleichzeitig Raum für Vorträge usw. bieten können, ein Baderaum, eine Werkstatt und allenfalls ein Café in Planung. Die grosse Küche soll auch von Externen genutzt werden können, beispielsweise für Kochkurse. Der Verein MGP versucht aus einer sozial und ökologisch ganzheitlichen Perspektive heraus, solche Projekte in bereits bestehende (Quartier-)Systeme einzubringen und diese auch zu bereichern.

Was unterscheidet das Haus von einem normalen Mietobjekt? Man sagt zuerst Ja zum Konzept und erst dann zu den Wohnbedingungen. Die Planung des Hauses stützt sich auf ein Grundkonzept mit folgenden Kernpunkten: Mehrgenerationenprojekt; Arbeitsplätze im Haus, um Schlafquartieren vorzubeugen; günstiger Wohnraum, der erlauben soll, auf wenigen Quadratmetern genügend Komfort zu haben. Dieses Grundkonzept stützt sich wiederum auf Studien aus dem Sozialbereich, welche belegen, dass die Menschen heute vermehrt nach Alternativen zum Altersheim suchen. Und es stützt sich auf den Generationenvertrag: Es braucht die Solidarität zwischen Jung &Alt, das gegenseitige Helfen und den Austausch von Kompetenzen. Dazu braucht es allerdings bauliche Voraussetzungen und ein Mehrgenerationenhaus darf keine isolierte Insel sein, sondern soll einen Mehrnutzen bringen für das umliegende Wohngebiet. Es soll ein Austausch stattfinden von innen nach aussen und umgekehrt.

Vergleichbare Projekte in Zürich sind jeweils Grossprojekte (solidarisches Quartier) mit minimal 500 Personen. Hier in der Ostschweiz herrscht eine geringere Wohnungsnot und es macht mehr Sinn, Kleinprojekte zu realisieren. Langfristiges Ziel sind «Ökoflecken», also mehrere Projekte in einem Dorf, die sich vom Hintergrund abheben, miteinander funktionieren und ausfärben (solidarische Nachbarschaft, die nicht am Gartenzaun endet, sondern rausgeht ins Quartier).

Die Wohnungen werden normal ausgeschrieben und das Projekt wird in Trogen öffentlich vorgestellt. Gefundene Interessent/-innen sollen sich in mehreren Treffen kennenlernen, bevor sie einziehen, und auch nach dem Einzug gibt es die Möglichkeit der Begleitung durch Coaches.

Am Schluss der 17. List ziehen wir folgendes Resumée: Das Vorgehen, dass für ein Haus Personen gesucht werden und nicht umgekehrt, ist speziell, aber es gibt auch Sicherheit: Wenn keine Mehrgenerationengemeinschaft gefunden wird, kann das Haus immer noch regulär vermietet werden. Es wird bei diesem Projekt primär auf das Objekt und die verfügbaren Mittel eingegangen und erst sekundär auf individuelle Wünsche. Das Objekt wird so optimal genutzt.

Solche Mehrgenerationenprojekte könnten eine Chance sein für all die schwierigen Häuser im Appenzellerland und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, in unseren Dörfern wieder Heimat zu schaffen, die verloren ging oder am Verlorengehen ist.

Vermutlich im Oktober findet ein Tag der offenen Tür statt und die List-Teilnehmenden sind herzlich eingeladen. Der Verein MPG sucht übrigens noch immer Mitglieder.