ORT DER LIST und der Baukultur

16. List

Donnerstag, 30. Juli 2015, 17 Uhr

Fragestellung: Betrachtung der Liegenschaft Schopfacker in Trogen

Schlagworte: Notwendigkeit einer Zukunftsperspektive, Vision Dorfbild

Werner Frischknecht, Ueli Frischknecht, Fredi Altherr, Tilly Neuweiler, Werner Buob, Ueli Vogt, Kristina Hofstetter

Erneut bleiben wir in Trogen und üben uns im Lesen einer Dorferweiterung, namentlich der Liegenschaft Schopfacker in der Nähe des Türmlihauses. Sie entstand als Ersatz des abgebrannten Zellwegerschen bäuerlichen Fabrikantenhauses im Rahmen eines Studienauftrages, welchen Bernardo Bader Architekten im Jahre 2012 gewannen. Ursprünglich war vorgesehen, ein Einfamilienhaus sowie ein Mehrfamilienhaus zu bauen. Letzteres wird vermutlich nicht realisiert trotz Zonenplan (Bau-/Wohnzone) mit der Begründung, es sei nicht rentabel genug.

In unserer Diskussion wird honoriert, dass für die Überbauung ein Studienauftrag erteilt und also nach der besten Lösung gesucht wurde, statt sofort ein Haus aus dem Boden zu stampfen. Allerdings erscheint uns die Nichtrealisierung des Mehrfamilienhauses bedenklich. Das Einfamilienhaus bleibt als Torso der Überbauung zurück und wirkt auf uns bieder, zu sehr nach innen orientiert und auf sich selbst bezogen.

Wir verweilen jedoch nicht lange bei der Architektur der Überbauung, da sie nicht isoliert betrachtet werden kann, wenn wir Aussagen über ihre städtebauliche Qualität machen möchten. Die Isolation evoziert ein Gesamtbild, um wiederum das Einzelne beurteilen zu können. Als zentrales Element halten wir die Notwendigkeit einer Zukunftsperspektive fest. Die städtebauliche Qualität lässt sich ohne Vision, wie Trogen beispielsweise in 50 Jahren aussehen soll, nicht an einzelnen Gebäuden messen, denn je nach Vision hat auch ein queres Gebäude Qualität. In einem Gesamtbild mit Zukunftsperspektive spielen soziologische Aspekte eine bedeutende Rolle und wir visionieren, dass die Menschen in 50 Jahren die Tradition des Mehrgenerationenhauses, welche im Appenzellerland angelegt ist, wieder aufgenommen und weiterentwickelt haben und zur Überbauung Schopfacker sagen werden: Dieses Haus war noch typisch für die Zeit des Individualismus!