ORT DER LIST und der Baukultur

15. List

Donnerstag, 25. Juni 2015, 17 Uhr

Fragestellung: Regula Geisser & Georg Streule von GSI Architekten als Gäste, Betrachtung der Erweiterung des Türmlihauses in Trogen

Schlagworte: Notwendigkeit von baulichen Referenzen und historischem Bezug, Strasse als prägendes Element von Dorfbildern

Regula Geisser & Georg Streule von GSI Architekten, Ueli Vogt, Eva Louis, Vreni Härdi, Roman Häne, Werner Binotto, Kristina Hofstetter

Getreu dem Leitbild der List, ein Ort des Diskutierens und Sinnierens über Baukultur zu sein, steht heute die Erweiterung des Türmlihauses Trogen der GSI Architekten im Zentrum. Das 1788 erbaute Türmlihaus war einst ein Fabrikantenhaus. In den 1960ern wurde das Gebäude zum ersten Mal verändert. 2011 gelangte die Schule Trogen mit der Frage an die GSI Architekten, ob sie das Türmlihaus um einen Raum ergänzen würden für die Kleingruppenschule Tipiti. Der Neubau sollte das Türmlihaus nicht in seinem Wert schwächen, sondern sich unterordnen und die unguten Elemente klären (z.B. Funktionalität für Schülerschaft). Referenz für den Neubau war der Typus Stall, denn das Architekturbüro wollte die Massstäblichkeit verwenden, die bereits vorhanden war. Obschon die GSI Architekten also Bezüge zu Vorhandenem machten, ist der Elementbau bestückt mit von ihnen eigens erfundenen Fensterläden, die hochgezogen werden und dann als Sonnenschutz dienen können. Weitere Infos zur Erweiterung des Türmlihauses finden sich auf gsi-architekten.ch unter «Projekte».

Ausgehend von der Präsentation ergeben sich spannende Fragen: Braucht es beim Bauen Referenzen, oder wird nicht erst dann wirklich mit Sorgfalt gearbeitet, wenn man eigenständig baut und nicht auf etwas referiert? Sollten wir vermeiden, Architekturen stets historisch zu lesen, oder sind Bezüge zur Vergangenheit im Gegenteil zentral, um die Gegenwart schlüssig werden zu lassen?

Wir diskutieren über das Dorfbild von Trogen und anderen appenzellischen Orten, deren prägendes Element die Strasse ist, an welcher die Häuser aufgereiht sind. Die Häuser haben alle ähnliche Sockel und Schrägdächer, ansonsten sind sie architektonisch extrem vielfältig. Was sie eint, ist die Strasse, also der Aussenraum. Wie viele verschiedene Stile erträgt ein Ort, wann ist Heterogenität eine Qualität?

Am Ende der 15. List sind wir uns einig, dass Uniformität als städtebauliches Kriterium überschätzt wird. Im Appenzellischen gibt es sehr schöne Beispiele für gut funktionierende heterogene Dorfbilder. Trogen etwa ist städtebaulich betrachtet keine schlechte Lösung trotz Heterogenität. Woran lässt sich die Qualität also messen? An der Sorgfalt oder der Ordentlichkeit, mit welcher gebaut wurde? Wir möchten den Kriterien nachgehen, die für uns nicht auf den ersten Blick ersichtlich und auch nicht vergleichbar sind mit heutigen Kriterien. In einem zweiten Schritt möchten wir uns dann überlegen, wie man diese Kriterien justizitabel machen kann. Denn nicht zuletzt für brennende Themen wie das verdichtete Bauen können wir von den historischen Dörfern lernen, wenn wir uns erst einmal vom Zwang der Homogenität befreit haben.