ORT DER LIST und der Baukultur

14. List

Donnerstag, 28. Mai 2015, 17 Uhr

Fragestellung: Fazit zur zwei Veranstaltungen zur Teilrevision des Baugesetztes AR und Betrachtung des Hauses Lipp in Brenden von Gion A. Caminada anhand der Frage «was definiert ein Appenzeller Haus?»

Eva Louis, Ueli Frischknecht, Werner Frischknecht, Hanspeter Spörri, Heinz Näf, Gerold Schurter, Werner Binotto, Fredi Altherr, Gaby Bucher, Ueli Vogt, Kristina Hofstetter

Im ersten Teil des Abends ziehen wir ein Fazit aus den beiden Veranstaltungen vom 9. und 27. April 2015 («Ortsbild unter Druck» in Zusammenarbeit mit Hochparterre/«Ortsbilder – wie bewahren?» gemeinsam mit der Appenzeller Zeitung), die im Rahmen der Teilrevision des Ausserrhoder Baugesetzes stattgefunden haben: Beide Veranstaltungen waren sehr gut besucht, doch die vertiefte Diskussion fehlte und es wurde in den Pro-/Contra-Lagern verharrt. Die Anlässe waren aber wichtig, um überhaupt die vorhandenen Positionen aufzuzeigen. Die Presse nahm sie auf und vermittelte sie der Bevölkerung. Notwendig scheint uns, dass der Prozess verlangsamt fortgesetzt und die Teilrevision vom Kantonsrat noch nicht für die Herbstsession traktandiert wird. Die Verlangsamung soll geschehen zu Gunsten eines Nachdenkens und Diskutierens über Qualität und Nachhaltigkeit sowie deren Zusammenhang mit dem Gesetz. Genau hier will der Ort der List und der Baukultur anknüpfen. Hier soll nicht Politik betrieben, sondern präzise über inhaltliche Fragen zu Qualität und Baukultur diskutiert werden, befreit von den Regeln politischer Verfahren. Es soll eine gemeinsame Sprache gefunden werden, die in der Architektur verloren ging – die politische Dimension hingegen soll andernorts Eingang finden, beispielsweise beim Heimatschutz.

Keinen Konsens finden wir in der Frage, wie der Ort der List und der Baukultur zur Öffentlichkeit stehen soll. Einerseits besteht der Wunsch, die Aussenwirkung nicht zu forcieren in der Überzeugung, dass sie sich automatisch einstellt für jene, die inhaltliche Qualität bieten. Andererseits wird ein starkes Bedürfnis geäussert, die List breit öffentlich zu machen, da zu Architekturfragen nur wenige Gremien mit Aussenwirkung existieren. Es kann jedoch nicht die Aufgabe dieses Forums sein, dieses Defizit umfassend zu beheben, da andere Organisationen dafür besser geeignet sind.

Angeregt durch Pläne und ausgewählte Bilder des Hauses Lipp in Brenden von Gion A. Caminada kreisen wir im zweiten Teil des Abends um die Frage, wodurch sich ein Appenzeller Haus bestimmen lässt. Es wächst die Vermutung, dass Caminada zwar ein Experte für das Bündner Haus ist, sich jedoch zu wenig eingängig damit beschäftigte, was ein Appenzeller Haus zu einem solchen macht. Der Kubus mit einem inneren Haus im Strickbau gibt vor, als Appenzeller Haus lesbar zu sein, doch er ist es nicht. So ist er weder südost-gerichtet noch aus aneinander gefügten Flächen bzw. mehrfach bestimmten Bauteilen entwickelt worden. Auch existiert eine Lochfassade, welche bei den Appenzeller Häusern jedoch erst im Klassizismus aufgetaucht ist. In der Diskussion fällt gar der Begriff Kitsch, da das Haus Lipp kein Statement liefere und zu harmlos daherkomme. Positiv fällt auf, dass vor dem Gebäude keine Aufschüttung stattgefunden hat. Das Haus Lipp ist deshalb hoch, weil es sich aus dem bestehenden Boden erhebt. Caminada bezog damit Überlegungen zur Topographie und Gestaltung des Aussenraums in den Bau mit ein, wie wir es uns auch in der Diskussion rund um die Baugesetzrevision wünschen würden. Im Gesamten handelt es sich architektonisch gesehen um ein qualitativ hochstehendes Bauwerk, welches sich lohnt, differenziert betrachtet zu werden.

Wir schliessen die 14. List mit inhaltlichen Vorschlägen für künftige Treffen: Der Umbau des Türmlihauses in Trogen durch GSI Architekten und die Überbauung Schopfacker in Trogen durch Bernardo Bader Architekten. Die Vorschläge werden koordiniert und thematisch gebündelt eingebracht.