ORT DER LIST und der Baukultur

13. List

Donnerstag, 30. April 2015, 17 Uhr

Fragestellung: Roman Häne als Gast, Vorstellung seines Projektes zu Appenzellischen Gärten

Schlagworte: Kriterien des Appenzellischen Gartens, Reduziertheit, Sensibilisierung für ganzheitliche Betrachtung von Landschaft, Garten und Haus

Roman Häne, Fredi Altherr, Ueli Frischknecht, Vreni Härdi, Gallus Hess, Markus und Beatrice Häne, Georg Lieberherr, Michi Hug, Hans Eugster, Meinrad Gschwend, Heinz Pantli, Werner Buob, Tilly Neuweiler, Urs Koster, Kristina Hofstetter

Passend zur nachfolgenden Buchvernissage geht es in der heutigen List um Gärten. Der Landschaftsarchitekt Roman Häne verfolgt die Appenzellischen Gärten schon länger und stellt sein bereits erfolgreich abgeschlossenes Projekt vor: Den Wiederaufbau eines Einfamilienhauses in Teufen unter Anwendung der Kriterien des Appenzellischen Gartens. Roman Häne wollte eine möglichst geringfügige Terrainveränderung und da in der Hangkuppe Sandstein vorhanden war, konnte er auf eine Umgebungsmauer verzichten und Sandsteinplatten erstellen. Auf Tujahecken als Sichtschutz wurde seitens der Bauherrschaft verzichtet. Statt des Zugangs von Hangseite her wurde neu ein Zugang von oben her gestaltet, zusätzlich kamen Garage und Sitzplatz dazu, jedoch ohne Aufschüttung der Wiese. Die Kuh des Nachbars ersetzt den Rasenmäher und am Haus befindet sich ein Birnernspalier. Viel reduzierter kann ein Garten gar nicht sein!

Die historisch gewachsene Reduziertheit ist es auch, welche den Appenzellischen Garten ausmacht. Die Appenzeller klebten ihn sozusagen ans Haus: Die Bienenstöcke waren am Haus, das Blumenbeet vor dem Fenster, oben am Haus gab es Taubenlöcher, man hatte Wetterbäume … Der eigentliche Bauerngarten war also eher stiefmütterlich, rudimentär, ein Pflanzplatz statt ein Garten. Einzeln sind diese Elemente nicht typisch appenzellisch, doch die Wiederholung genau dieser Zusammenstellung macht das Spezifische des Appenzellischen Gartens aus.

Der reduzierte Appenzellische Garten ist aus heutiger Perspektive modern, da selten jemand die Zeit hat, einen grossen Garten zu pflegen. Allerdings ist er nicht beliebt, Roman Häne hat sehr selten Projektaufträge dieser Art. Ein Grund könnte sein, dass der Garten oft die letzte Bastion ist, in welcher man selber bestimmen kann. Zudem würden es die Leute nicht aushalten, die Umgebung ungestaltet zu lassen. Zur Zeit sind Steingärten in Mode aus dem (Irr-)Glauben heraus, sie würden wenig Zeit beanspruchen.

An der List wird rege darüber diskutiert, wie man die von Roman Häne vorgestellte zurückhaltende Art der Ausgestaltung und den sehr bescheidenen Eingriff ins Terrain unter den Bauwilligen beliebter machen könnte. Einig ist sich die Runde, dass bereits in der Primar-/Sekundarschule, aber auch auf Hochschulstufe sensibilisiert werden soll für die ganzheitliche Betrachtung von Landschaft, Garten und Haus. Denn man kann nur etwas mögen, das man kennt.

Nach der List folgt die Buchvernissage «Gartenwege der Schweiz Band 3: Bauerngärten zwischen Säntis und Bodensee» mit Regierungsrat Martin Klöti, Heinz Pantli (ICOMOS) und den Autor/innen Mariann Künzi, Meinrad Gschwend und Roman Häne.