SMOKE AND GRIND
Kris Lüdi
7.3. – 15.3.
2026
Wenn im Herbst das schönste Vieh der Appenzeller Dörfer gekürt wird, steigt Rauch über dem Festgelände auf. Es ist ein Bild, das irritiert und zugleich fasziniert: Kinder, oft noch im einstelligen Alter, paffen an diesem Tag ungeniert «Krumme» oder «Stumpen». Sie tun dies nicht im Geheimen oder als rebellischer Akt, sondern inmitten der Dorfgemeinschaft, welche dies nicht nur duldet, sondern selbst hervorbringt. Es handelt sich um eine Form der Würdigung für das Kind, das bereits früh Teil der landwirtschaftlichen Arbeit und Verantwortung wird.
Mit der Arbeit SMOKE, die als Buch in der Edition Patrick Frey erscheint, nähert sich der Künstler Kris Lüdi diesem Brauch aus persönlicher Erinnerung an. Als Kind verbrachte er die Sommer bei seinen Grosseltern im Appenzell und begegnete den Gleichaltrigen der Region mit dem eingeschüchterten Blick eines Aussenstehenden. Ihre nonchalante, mitten im Leben stehende Art vermittelte eine Sinnhaftigkeit, die nachhallte, und in der fotografischen Beobachtung nun ihre verzögerte Reaktion findet. So schafft sich ein Resonanzraum über die Grenzen von Tradition und Moderne hinweg.
Dieses Spannungsfeld wird in der Ausstellung durch die 4:41 Minuten lange Filminstallation MORE FUN LESS GRIND audiovisuell erweitert. Das unermüdliche Arbeiten und Tun wird so in einen archaischen Kontext gesetzt. Das dröhnende Geräusch der Maschinen, rhythmisch die Installation durchziehend, gleicht in seiner tiefgreifenden Monotonie dem «Gradhäbe» des Zäuerli.
Bild und Ton verschmelzen hier zu einer Studie über das heutige Schweizer Selbstverständnis. Lüdi nutzt die lokale Beobachtung, um universelle Themen wie Zugehörigkeit und kulturelles Erbe greifbar zu machen, ohne dabei in Klischees zu verfallen.
Kris Lüdi (geb. 1987 in Zürich) ist Filmemacher und visueller Künstler. Seine Arbeiten untersuchen gesellschaftliche Rituale, ihre ästhetischen Formen und zugrundeliegenden Dynamiken. Er interessiert sich für das Spannungsverhältnis von konservativem Gestus und progressivem Impuls, von Wahrheit und Illusion. In filmischen, fotografischen und installativen Inszenierungen macht er diese Gegensätze sichtbar, ohne sie aufzulösen. Sein Werk bewegt sich dabei unvoreingenommen zwischen Repräsentation und Präsentation.