Café Spörri
11.4. – 20.9.
2026
«Alles Neue auf der Welt ist eine zukünftige Antiquität.»
Peter Spörri
Wir bewegen uns oft zwischen den Welten: von Paris ins Appenzellerland, vom Grand Hotel in die Dorfstube, auf der Suche nach Schutz und Fortschritt. Das Café Spörri verband diese vermeitlichen Gegensätze mühelos und brachte das Menschliche in uns zum Vorschein.
Über Jahrzehnte war das Café mehr als eine Konditorei; es war das «Stadtcafé im Appenzellerland». Die Geschichte begann mit Jacques Spörris Wanderjahren während der Belle Époque, die ihn von Nizza über Paris bis nach Glasgow führten. Das dort erlernte Handwerk legte den Grundstein für eine Dynastie, die Teufen prägte. Unter Peter und Helen Spörri avancierte das Haus in den 1960er- und 70er-Jahren zum «Bijou», in dem Bundesräte, Filmstars und die Dorfjugend gleichermassen verkehrten.
Die Ausstellung ist ein Beitrag zur Debatte um Baukultur und den Wandel des Dorflebens. Sie regt dazu an, über den Wert von Treffpunkten nachzudenken – Orte der Begegnung, an denen die Welt für einen Moment stillstand. Doch die Geschichte erzählt auch vom schmerzhaften Ende: dem Ringen um einen Neubau, dem Konflikt zwischen betrieblicher Notwendigkeit und Ortsbildschutz sowie dem Verlust eines identitätsstiftenden Ortes.
Die Szenografie macht das einstige «Wiener Café auf dem Land» wieder fragmentiert und durch das Archiv von Hans-Peter Spörri erfahrbar. Sie zeigt Original-Exponate, von den Rezeptkladden der Wanderjahre bis zu Relikten des Interieurs. Die Ausstellung dokumentiert nicht nur die Kunst der Patisserie, sondern auch den gesellschaftlichen Wandel von der handwerklichen Grundversorgung zum Erlebnis-Sektor. Sie stellt die Frage: Wie viel Veränderung verträgt ein Dorfzentrum, und was bleibt, wenn der Treffpunkt geht, aber das Haus weiter steht?
«Am Ende, ganz am Ende, zählt die Liebe, nur die Liebe.»
Helen Spörri